Einsatzmöglichkeiten von Spiel, Drama und und Neuen Medien im Fachunterricht – Juni 25th, 2010

Einsatzmöglichkeiten von Spiel, Drama
und und Neuen Medien
im Fachunterricht


Handlungsorientierter Unterricht

Szenisches Lernen hat in den letzten Jahren zunächst vor allem im Deutschunterricht, dann aber auch im Fremdsprachenunterricht, in Sozialkunde, Geschichte, Religion, Kunst und Musik Einzug gehalten. Das Szenische Lernen beruht auf der Vorannahme, dass Lernen nicht nur die Verstandestätigkeit der Schülers fordert, sonder gleichermaßen auch seine Sinne, seine Emotionen und Vorstellungskräfte. Mit geführten Imaginationen, mit Rollenübernahme, Rollenspiel, Rolleninterviews, mit körperlichen Ausdrucksübungen wird im Unterricht ein szenisches Setting geschaffen, das emotionale Prozesse nicht ausblendet, sondern sie als Teil der Lernprozesses begreift. Der persönliche Zugang des Schülers zum Lerngegenstand wird ermutigt, was keineswegs bedeutet, dass damit subjektive Beliebigkeit an Stelle von analytisch fundierter Gültigkeit tritt.

Spiel und Drama im Fachunterricht
Szenisches Interpretieren

Nicht von ungefähr wird das szenische Verfahren vor allem im Deutschunterricht seit Jahren erprobt, denn Literatur kann nur verstanden werden, wenn der Leser seine eigene Vorstellungskraft spielen lässt. Die Rezeption von Literatur weckt ein bewegtes Ineinander von emotionalen, kognitiven, persönlichkeits-spezifischen und kulturellen Elementen, die beim Lesen mitschwingen. Davon ist bei der Interpretation nicht abzusehen, sondern es gilt, diesem Prozess Raum zu geben, damit der Schüler im Fremden dem Eigenen begegnen kann. Die eigene Vorstellungskraft, die inneren Bilder zu aktivieren, das ist eine Aufgabe des Literaturunterrichts, die auch eine generelle kulturelle Dimension hat. Es scheint zwar, dass die heutigen Schüler keinen Mangel an Bildern haben, werden sie doch im Sekundentakt mit visuellen Reizen der raffiniertesten Art bombardiert, aber gerade dadurch werden sie immer ärmer an eigenen Bildern, an eigenen Vorstellungen, die durch ästhetische Texte evoziert werden können.

Szenisches Interpretieren öffnet also Wege in den Text hinein, aber auch wieder hinaus. Die szenische Exploration bedarf auch des abstrahierenden Diskurses, der subjektive Deutungserfahrungen stets wieder mit dem Text konfrontiert und der auch traditionelle Forschungsergebnisse mit einbezieht. Das Szenische Interpretieren hat inzwischen einen Fundus an bewährten Methoden (Geführte Imagination, Rollenbiografie, Rolleninterviews, Standbildbauen, Szenisches Spiel), die alle einerseits die Vorstellungskraft der Schüler aktivieren, andererseits durch Haltungen, Bewegungen und Sprache den körperlichen Ausdruck als wesentliches Erkenntniselement einschätzen.

Das Szenische Interpretieren unterläuft keineswegs die kognitiven Ziele des Unterrichts, bettet sie aber in einen Prozess ein, der Emotionalität, Imagination und Körperlichkeit mit enthält und damit der Literatur in ihrer Vielschichtigkeit gerecht wird.

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