Grimmelshausen-Gymnasium – Juni 25th, 2010

In der Aue 3, 63571 Gelnhausen

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Bericht über ein Multimedia-Projekt der an der Fortbildung
„Kulturelle Praxis” beteiligten Kolleginnen und Kollegen
des Grimmelshausen-Gymnasiums
im Schuljahr 2003/2004

Zur Entstehungsgeschichte des Projektes


In der ersten Hälfte des Schuljahres traf sich die Schulgruppe mehrmals zusammen mit unseren Betreuern vom Kulturmobil, um das Projekt inhaltlich und organisatorisch vorzuplanen. Bei diesen Treffen kristallisierte sich heraus, dass wir ein Multimedia-Projekt entwickeln wollten, bei dem alle fünf an der Kulturmobil-Fortbildung beteiligten Kolleginnen und Kollegen mit jeweils einer ihrer Lerngruppen einen Beitrag leisten sollten. Bei der Suche nach einem Thema stellte sich heraus, dass zwei Kolleginnen sich in diesem Schuljahr mit Shakespeares „Romeo und Julia” beschäftigen wollten, nämlich die Kollegin Raddon in ihrem Lk-Kurs Englisch in der 12.Jahrgangsstufe und die Kollegin Petermann mit einer 10.Klasse im Fach Deutsch. Wir einigten uns daher darauf, die theatralische Auseinandersetzung mit Shakespeares „Romeo und Julia” und das für dieses Stück zentrale Motiv „Liebe” in den Mittelpunkt des Projektes zu rücken. Da die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Stück Shakespeares nicht auf eine konventionelle Inszenierung hinauslaufen sollte, erweiterten wir den thematischen Rahmen mit dem Begriff „Metamorphose”: Wir wollten sowohl freie Variationen zu Shakespeares Stück als auch zum Begriff „Liebe”, vor allem in Bezug auf den Erfahrungshorizont Jugendlicher, bieten. Auf Grund der sehr unterschiedlichen Lerngruppen, die sich mit dem Projekt befassten, war klar, dass das Ergebnis einen eher revuehaften Charakter haben würde, zumal die einzelnen Projektbeiträge erst am Schluss bei den Proben miteinander verknüpft werden konnten. Der Termin für die Aufführung des Projektes musste relativ früh in die zweite Schuljahreshälfte, nämlich in den März, gelegt werden, weil eine der beteiligten Lerngruppen der 13.Jahrgangsstufe angehörte und damit nach den Osterferien sich auf das Abitur konzentrieren musste. Nach den Weihnachtsferien, in der Zeit, in der wir mit der Erarbeitung unserer Projektbeiträge in den jeweiligen Lerngruppen befasst waren, wurden wir von unseren Betreuern (Gebhard Asal, Bärbel Stein und Wolfgang Stärker) in vielfältiger Weise praktisch unterstützt. Für diese sehr engagierte und kompetente Unterstützung möchten wir uns schon hier herzlich bedanken.
Im Nachfolgenden sollen kurz die einzelnen Projektbeiträge dargestellt sowie ihre Genese näher beschrieben werden:

1. Szenen aus Shakespeares „Romeo and Juliet”


Da im Curriculum für die Jahrgangstufe 12 in Englisch die Behandlung eines Shakespeare-Stückes gefordert ist und da ihre SchülerInnen Interesse am Theaterspielen bekundeten, beschloss Frau Raddon, in ihrem Englisch-Leistungskurs „Romeo and Juliet” zu lesen und ausgewählte Szenen aus den ersten beiden Akten des Stück mit wechselnden Spielern einzuüben (nämlich das Gespräch Romeos mit Benvolios über den Ball der Capulets; die Szene, in der Gräfin Capulet Julia dazu drängen will, das Heiratsangebot des Grafen Paris anzunehmen; die Ballszene, bei der sich Romeo und Julia zum ersten Mal begegnen und schließlich die berühmte Balkonszene im Garten der Capulets). Um möglichst alle Schüler des Kurses in das Projekt einzuspannen, wurde die Rolle der Julia und des Romeos an mehrere Schüler bzw. Schülerinnen vergeben. Darüber hinaus übernahmen Schüler der Gruppe die Moderation des Gesamtprojektes und formulierten dazu eigene Texte in Englisch. Ergänzt wurden die Shakespeare-Szenen noch durch selbst verfasste Szenen (Jugendliche von heute bereiten sich – voll Vorfreude, gespannt oder eher gelangweilt – auf einen Theaterabend mit Shakespeares „Romeo and Juliet” vor). Für die Ballszene studierten die Schüler einen längeren Renaissancetanz ein. Die Choreographie übernahm eine Schülerin des Kurses. Leider war es nicht möglich, die Kostüme für die Shakespeare-Szenen selbst zu schneidern, von daher lieh sich Frau Raddon aus den Fundus der Stadt Gelnhausen Renaissancekostüme aus, die gut in den Rahmen einer szenischen Darstellung des originalen Shakespeare-Textes passten.

2. Moderne Variationen zu Shakespeares „Romeo und Julia”


Frau Petermann behandelte im ersten Halbjahr des Schuljahres im Deutschunterricht einer 10.Klasse Shakespeares „Romeo und Julia” in der Übersetzung Ludwig Tiecks. Im Verlauf dieser Unterrichtsreihe entwickelten die Schüler zwei moderne Paraphrasen der Liebesgeschichte Shakespeares.
Zum einen stellten die Schüler die Handlung von „Romeo und Julia” als Computerspiel dar: Der Held dieses Spiels, Super-Romeo, muss diverse Schwierigkeiten, Hindernisse und vor allem Feinde überwinden, um Prinzessin Julia aus den Händen ihrer Entführer zu befreien. Bei der Konzeption dieser Szene orientierten sich die Schüler an zwei bekannten Computerspielen, nämlich an „Supermario” und „Prince of Persia”. Die satirisch-parodistische Darstellung des „Romeo und Julia”-Computerspiels wurde von den Schülern in eine Rahmenhandlung eingebettet: Ein offensichtlich von Computerspielen begeisterter Schüler wird von seiner Mutter dazu aufgefordert, doch endlich seine Deutschhausaufgaben zu erledigen, d.h. den Text von „Romeo und Julia” zu lesen. Der Schüler beruhigt die Mutter damit, dass er sich die Handlung des Stücks in Gestalt eines Computerspiels aneignen wolle. Auf dem Höhepunkt der Spielsitzung zieht die misstrauisch gewordene Mutter schließlich den Stecker des Computers und bereitet damit dem Spiel ein abruptes Ende.
Als zweite moderne Paraphrase des „Romeo und Julia”-Stoffes wurde eine „Herzblatt” -Show geboten: In Anlehnung an die bekannte TV-Show stellt eine Moderatorin zwei Kandidaten vor, die um die Gunst Julias werben. Julia entscheidet sich schließlich nach den üblichen Fragerunden für den etwas schnulzigen Romantiker Romeo, der gerne Liebesverse von Shakespeare rezitiert, und gibt dem geschniegelten und ansonsten kalt berechnenden Yuppie-Typen Paris einen Korb. Am Ende der Szene schwebt Amor über die Bühne, der, nachdem sich das Paar gefunden hat, Rosen ans Publikum verteilt.

3. Musikalische Variationen zum Thema Liebe


Im Rahmen des regulären Musikunterrichtes in einer 10.Klasse erarbeitete Frau Heinrich zwei Gesangsnummern: „,Veronika der Lenz ist da” und „Lass mich dein Badewasser schlürfen” (in einer Eigenbearbeitung). Ziel dabei war es, zum einen die vorhandenen musikalischen Talente zu fördern und zum anderen möglichst alle Schüler der Lerngruppe an diesem Beitrag zu beteiligen. Beide Chansons sind in den späten zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geschrieben worden und befassen sich in ironisch-satirischer Weise mit dem Thema Liebe. Sie korrespondieren von daher gut mit den ebenso satirisch gemeinten Shakespeare-Paraprasen. Gemeinsam mit Bärbel Stein vom Kulturmobil wurde für den Vortrag beider Chansons eine Choreographie entwickelt. Daneben steuerte die Klasse noch solistische Beiträge bei, z.B. das Nocturne cis-Moll von Frederik Chopin sowie ein Duo Klavier/Gesang mit der Pop-Ballade „,What if”, und schließlich den Auftritt der klasseneigenen Band mit rockigen bis elegischen Nummern (wie etwa Lennon/McCartneys „Let ist be” als „Rausschmeißer” zum Schluss der Vorstellung). Zusätzlich erarbeitete Frau Heinrich mit den Mitgliedern ihrer Bläser AG instrumentale Paraphrasen des Chansons „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt”, die als Zwischenakt- bzw. Umbauphasenmusik eingesetzt wurden. Die Gestaltung des Arrangements war so angelegt, dass alle Instrumentalisten die Melodiestimme sowie weitere Mittelstimmen beherrschen mussten. Auf diese Weise konnten die Instrumente beliebig miteinander kombiniert und neue Klangkombinationen erzielt werden.

4. Verwandelbare Kostüme


Frau Schättler-Kaufmann vom Fachbereich Kunst war mit einem Kunst-Leistungskurs der Jahrgangstufe 12 an unserem Projekt beteiligt. Im Rahmen ihres Kunstunterrichtes betraute sie ihre SchülerInnen mit der Aufgabe, „,verwandelbare” Kostüme zu entwerfen und herzustellen, die evtl. für die szenischen Sequenzen des Projektes eingesetzt werden könnten. Als Anregung sollten die dadaistischen Kostüme dienen, die in den Soiréen in Hugo Balls „Cabaret Voltaire”, in Zürich 1915-1918 gezeigt wurden, sowie die konstruktivistischen Kostüme Oskar Schlemmers für die Bauhausbühne in den Zwanziger Jahren. Die Schüler entwarfen zunächst als Skizze Entwürfe für ihr Kostüm, die anschließend im kleinen Maßstab als Modell für eine Barbiepuppe umgesetzt wurden. Jeweils zwei SchülerInnen sollten danach die besten Entwürfe als Kostüm realisieren. Die SchülerInnen führten die realisierten Kostüme schließlich als Begrüßungsperformance dem Publikum selbst vor. Dazu wurden im Zuschauerraum kleine Podeste aufgebaut, auf denen jede Figur, während sie von einem Spot angestrahlt wurde, sich zu einer passenden Musik ca. 30 Sekunden bis maximal eine Minute bewegte. Die Performance zu Beginn der Vorstellung dauerte somit nicht länger als 7 Minuten. Am Schluss der Vorstellung gab es dann noch eine kurze Reprise dieser Performance. Frau Schättler-Kaufmann wurde beim Bau der Kostüme sowie beim Inszenierungskonzept von Wolfgang Sterker unterstützt.

5. Kurt Schwitters und „Anna Blume”


Herr Ciupka befasste sich in der ersten Hälfte des Schuljahres zusammen mit den SchülerInnen eines Deutsch-Leistungskurses der 13.Jahrgangsstufe mit den wichtigsten künstlerischen bzw. literarischen Strömungen der Avantgarde zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Der Schwerpunkt bei dieser Unterrichtsreihe lag dabei auf der Bewegung des Dadaismus, deren Konzepte, Ideen und Impulse noch in der heutigen aktuellen Kunstszene zu spüren sind. Die SchülerInnen sollten sich dabei nicht nur mit dadaistischen Texten, sondern auch mit bildnerischen Medien befassen, zumal etwa das Medium der Collage und Montage von den Dadaisten sehr konsequent in allen künstlerischen Ausdrucksformen eingesetzt wurde. Die meisten Dadaisten waren daher nicht nur als Zeichner, Grafiker, Maler und Bildhauer, sondern auch als Literaten tätig. Im Verlauf der Unterrichtsreihe kristallisierte sich heraus, dass die SchülerInnen sich vor allem mit Kurt Schwitters und seinem Gedicht „Anna Blume”, auseinandersetzen wollten. Die SchülerInnen erhielten dazu den Auftrag, „Anna Blume” in adäquat dadaistischer Weise vorzutragen. Daraus entstanden vier sehr unterschiedliche Varianten des szenischen Vortrags dieses sehr speziellen Liebesgedichts. Die besten Ideen aus diesen Varianten wurden schließlich zu zwei „Anna Blume”-Vorträgen verdichtet, die während der Vorstellung des Projektes dann auch präsentiert wurden. Eine Version des Vortrags, bei der vor allem die in dem Gedicht fortwährend genannten Farben Rot, Gelb, Blau und Grün lebendige Gestalt annahmen, wurde in die Ballszene von „Romeo and Juliet” integriert. Eine weitere Version, die „simultanistisch” von vier Schülerinnen gleichzeitig und abwechselnd, und zwar rückwärts und vorwärts, vorgetragen wurde (weil „Anna Blume” ja auch „rückwärts wie vorwärts” gelesen werden kann), wurde schließlich in den Schlussteil der Balkonszene aus „Romeo and Juliet” eingebaut. Die Schülerinnen trugen dabei „bruitistische” Masken, die Schüler eines Kunstkurses von Frau Schättler-Kaufmann gebaut hatten.

Paul Ciupka

Die Projekte wurden von den folgenden Kolleginnen und Kollegen durchgeführt:
Paul Ciupka, Christine Heinrich, Gundula Petermann, Ursula Raddon, Birgit Schättler-Kaufman


Bericht über die Unterrichtsprojekte der an der Fortbildung
„Kulturelle Praxis” beteiligten Kolleginnen und Kollegen
des Grimmelshausen-Gymnasiums
im Schuljahr 2002/2003

1. Zur Konzeption

Die Grimmelshausenschule war im vergangenen Schuljahr Gastgeber für die Hessischen Schultheatertage. Als künstlerischer Beitrag der Schule wollten wir den Gästen, Besuchern und Teilnehmern dieser Theatertage eine Multi-Media-Performance bieten, die im Anschluss an die Preisverleihungsfeier stattfinden sollte. Als Veranstaltungsort sollte der älteste Gebäudetrakt der Schule dienen, ein hufeisenförmiger Atriumbau, der von einem Bauhausschüler Ende der fünfziger Jahre entworfen wurde. Die Raummöglichkeiten dieses Baus sollten in unterschiedlicher Weise genutzt werden:

  • der begrünte Innenhof des Atriums, der von drei Seiten mit Glaswänden umgrenzt ist, sollte mit langen Stoff-Fahnen „beflaggt” werden;
  • im Innenhof selbst sollte eine eigens für diese Beflaggung komponierte Musik gespielt werden;
  • im Säulengang vor dem Innenhof sollte im Anschluss ein in reduzierter und modifizierter Weise von O.Schlemmers „Triadischem Ballett” inspirierter Maskentanz aufgeführt werden;
  • die Maskenspieler sollten das Publikum schließlich in das Gebäudeinnere geleiten, der architektonisch von zwei symmetrisch gestalteten Treppenanlagen dominiert wird;
  • im Flur- und Treppenbereich sollte eine Dia- und Videoinstallation die Architektur des Gebäudes widerspiegeln und für das Publikum in verfremdeter Form hervorheben und verdeutlichen;
  • daneben sollten die akustischen Möglichkeiten der Innenraumfluchten genutzt werden, indem die unterschiedlichen Ebenen des Treppenhauses für den Vortag von Gedichten, theatralischen Dialogen und Wechselgesprächen genutzt werden;
  • die Performance sollte so gestaltet sein, dass das Publikum nicht starr auf einem Platz verharrt, sondern, zusammen mit den Spielern und Musikern den wechselnden künstlerischen Angeboten folgend, den architektonischen Raum erkundet und erfährt.

2.1. Die theatralische Erfahrung des Raumes mit Maskenspiel und Beflaggung

Die Masken und Fahnen entstanden im Rahmen des regulären Kunstunterrichts von Frau Schättler-Kaufmann. Die Masken wurden von den Schülern und Schülerinnen einer fünften Klasse entworfen und mit Hilfe von Papier, Maschendraht und Dispersionsfarbe gebaut, wobei beim Bau der Masken die Schüler/innen von den Teilnehmern eines Grundkurses Kunst der 12.Jahrgangsstufe unterstützt wurden, deren Unterricht zeitlich parallel lag. Jede Schülerin und jeder Schüler trug bei der Performance “seine” Maske, d.h. auch der Maskentanz wurde im Kunstunterricht erarbeitet und einstudiert.
Die Flaggen, die aus sechs Meter langen und einen Meter breiten Fließstoff bestanden, wurden von den Teilnehmern eines Kunstkurses der 11.Jahrgangsstufe entworfen und ausgeführt. Entsprechend dem Anlass wurden Motive aus dem Bereich Bühne, Theater und Ballett gewählt, die als farbige Abstraktionen mit Acryl auf den Fließgrund gemalt bzw. getupft wurden. Insgesamt entstanden dabei 13 Flaggen, die während der Performance von den Schülern aus den Fenstern im zweiten Stock der drei den Innenhof begrenzenden Glasflächen entrollt wurden.

2.2. Die musikalische Erfahrung des Raumes

Frau Heinrich erarbeitete im Verlauf des Schuljahres mit den Teilnehmern eines Grundkurses Musik der 12.Jahrgangsstufe Percussions-Kompositionen, die beim Entrollen der Fahnen gespielt wurden. Diesen Percussions-Kompositionen liegen zum Teil traditionelle Kompositionsformen (wie Fuge, Kanon, einfache Liedformen sowie erweitertes Rondo) zugrunde. Einige dieser Kompositionen beziehen sich in ihrer inhaltlichen Programmatik auf die Darstellungen bzw. Symbole, die auf den Fahnen zu finden sind, andere dagegen stellen das Erlebnis des Raumklanges in den Vordergrund. Auf den Raum des Atriums gehen die Kompositionen insofern besonders ein, als dass die formale kompositorische Anlage und die musikalische Besetzung streng von den räumlich akustischen Gegebenheiten bestimmt wurde. Bei der Umsetzung der Kompositionen wurden neben traditionellen Percussions-Instrumenten auch der Körper als Medium eingesetzt. Ein besonders wichtiger Aspekt des Projekts war, dass die Schüler ihre Kompositionen zusammen mit den anderen Teilnehmern der Lerngruppe selbst einstudieren mussten.

2.3. Die fotografische Erfahrung des Raumes

Die Fotoarbeiten, die während der Performance als Installation über einen Videobeamer auf die Wände im Treppenhaus projiziert wurden, wurden von einem Grundkurs Kunst zum Thema “optische Massenmedien” erstellt, der von Frau Adler geleitet wurde. Die Teilnehmer des Kurses sollten in die Grundlagen der fotografischen Bildgestaltung eingeführt werden und dabei sich im Spezielleren mit der Kamera- und Dunkelkammertechnik vertraut machen. Die Erfahrung von Raum war als thematischer Schwerpunkt der fotografischen Arbeiten vorgegeben. Als fotografisch zu explorierender Raum sollte das Treppenhaus der Schule dienen, ein Raum, der den Schülern zwar tagtäglich vertraut ist, der aber gerade wegen seiner Funktion als Durchgangsstation nicht mehr als architektonisch gestalteter Raum wahrgenommen wird. Die fotografische Auseinandersetzung mit der Architektur des Treppenhauses der Schule sollte den Schülern und Schülerinnen somit auch zu einer Modifikation ihrer Wahrnehmung dieses gewohnten Raumes verhelfen. Die dabei entstandenen Fotoarbeiten wurden als zusätzliches formales Gestaltungsexperiment mit Hilfe von digitaler Bildbearbeitung verfremdet.

2.4. Die Betextung des Raumes

Frau Petermann wählte zusammen mit den Teilnehmern eines Deutschkurses der 12.Jahrgangsstufe Texte aus, die von vier Schülern, die wie das „Triadische Ballett” mit Masken verkleidet waren, vom ersten Stock des Treppenhauses aus gesprochen wurden, auf die Köpfe des von dem Maskenzug in die Halle geleiteten Publikums hinab. Ausgewählt wurden dabei Textfragmente von Euripides, Walter Jens, Ingeborg Bachmann und Nils Röller (s. Anhang), in denen es um die Funktion von Kunst geht. Die Texte wurden in einem Zeitraum zusammengestellt, der von der öffentlichen Debatte um den Irakkrieg bestimmt war. Aus diesem Grund wird in allen für den Vortrag bestimmten Texten zugleich das Thema Krieg, Gewalt und Leid mitbehandelt. Während des mündlichen Vortrages wurden die Textfragmente – wie zuvor die Fotoarbeiten – mit Hilfe eines Videobeamers an die Wand des Treppenhauses projiziert.

3. Zur Durchführung der Präsentation

Insgesamt waren wir mit der Durchführung unserer Performance zufrieden. Vor allen Dingen die Aktionen im Atriumbereich, also außerhalb des Gebäudes, mit der Beflaggung des Innenhofes, dem Maskenspiel und der musikalischen Erfassung des Raumes ergaben ein spannungsvolles Wechselspiel. Demgegenüber wurden die Aktionen im Treppenhaus durch die Tatsache behindert, dass die Eingänge nicht verschlossen gehalten werden konnten und dadurch ständig weitere Zuschauer in das Gebäude strömten. Diese Fluktuation führte dazu, dass im allgemeinen Trubel der Vortrag der Texte etwas unterging, zumal den vortragenden Schülern keine Lautsprecheranlage zur Verfügung stand.

gez. P.Ciupka

Die Projekte wurden von den folgenden Kolleginnen und Kollegen durchgeführt:
Anne Adler, Paul Ciupka, Christine Heinrich, Gundula Petermann, Ursula Raddon, Birgit Schättler-Kaufman
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